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Die Kursbuchstrecke 670
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Die Kursbuchstrecke 670 - Extras -- Die Betriebsstelle Einsiedlerhof
In Zusammenarbeit mit Eric Gilgore

Zwischen den Bahnhöfen bzw. Haltepunkten Kindsbach und Vogelweh (in Fahrtrichtung Kaiserslautern Hbf aus Richtung Homburg (Saar) Hbf kommend) befindet sich die Betriebsstelle Einsiedlerhof. Heute besitzt die als Bahnhof klassifizierte Anlage für den Personenverkehr zwei Bahnsteige, an denen planmäßig Züge des Regionalverkehrs - d.h. S-Bahn-Züge der S-Bahn Rhein-Neckar und Züge zwischen Kaiserslautern und Kusel - halten. Des Weiteren existieren umfangreiche Gleisanlagen für den Güterverkehr, welche heute jedoch nicht mehr in dem Maße genutzt werden, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Dennoch ist die Betriebsstelle eine der wenigen abseits der großen Bahnhöfe an der Strecke Homburg(Saar) Hbf - Ludwigshafen(Rhein) Hbf, an der planmäßig noch Güterzüge beginnen oder enden. Dies ist nicht zuletzt auch bedingt durch das in Kaiserslautern angesiedelte Werk des Autoherstellers Opel, welches Teile per Bahn erhält und Teile per Bahn versendet. Doch die Betriebsstelle Einsiedlerhof, oder "E-Hof", wie sie von örtlichen Eisenbahnern umgangssprachlich bezeichnet wird, besitzt eine interessante Geschichte. So besaß sie bis vor wenigen Jahrzehnten drei Haltemöglichkeiten, die im Personenverkehr genutzt wurden.

Die Betriebsstelle Einsiedlerhof wurde 1920 als Rangierbahnhof in Betrieb genommen und ersetzte den alten Rangierbahnhof Kaiserslautern, welcher fortan nur noch als Abstellanlage für Güter- und Personenwagen genutzt wurde. Dieser neue Rangierbahnhof lag in der Nähe der damals bereits existierenden Haltestelle Einsiedlerhof und war zu seiner Zeit einer der modernsten Rangierbahnhöfe Deutschlands. Für die Anlage des neuen Rangierbahnhofs wurde die zuvor gerade verlaufende Strecke an die neu errichten Gleisanlagen angepasst und dabei nach Norden verschoben, da die südliche Grenze des neuen Rangierbahnhofs durch die Achse der heutigen Bundesstraße B40, d.h. die sog. "Kaiserstraße", vorgegeben war.
Als Arbeitsrichtung innerhalb des Bahnhofs wurde von Westen nach Osten festgelegt; diese scheinbar willkürliche Festsetzung ergab sich jedoch aufgrund der örtlichen Windverhältnisse (überwiegend Westwinde). Dies erforderte, dass aus Richtung Kaiserslautern kommende Züge, die zur Auflösung in Einsiedlerhof vorgesehen waren, zunächst über das Hauptgleis am Bahnhof vorbei geführt werden mussten. Erst danach konnten sie in den Rangierbahnhof einfahren. Den Bahnhof verlassende Züge konnten diesen nur in Richtung Osten verlassen; für Züge in Richtung Saargebiet wurde folglich dieselbe Vorgehensweise notwendig wie bei aus Richtung Kaiserslautern ankommenden Zügen: Sie mussten den Bahnhof in Richtung Osten verlassen und konnten dann - nach Umsetzen der Lokomotive(n) - Einsiedlerhof über die Hauptstrecke in Richtung Homburg (Saar) oder Kusel verlassen. Im Zuge der Erstellung der für die Rangierarbeiten notwendigen Gleise wurde so die Strecke Homburg (Saar) Hbf - Ludwigshafen (Rhein) Hbf zwischen Einsiedlerhof und Kaiserslautern Hbf durch eine zweigleisige Güterzugstrecke ergänzt, die im Bereich des neuen Rangierbahnhofs jeweils an dessen nördlichen und südlichen Rand verläuft und der Abwicklung der vorstehend erläuterten Fahrten dient.

Der Rangierbahnhof Einsiedlerhof war in mehrere Abschnitte unterteilt (siehe Skizze rechts, Grafik entnommen aus Hey: Der Rangierbahnhof Einsiedlerhof. In: Hand und Maschine 1 Nummer 08 / November (1929), S. 160-163.): Einfahrgruppe, Richtungsgleisgruppe, Ausfallgleise, Stationsgleisgruppe und Ausfahrgruppe. Für all diese Bereiche gab es separate Stellbezirke, d.h., die Signale und Weichen in diesem Stellbezirk wurden von einem eigenen Stellwerk bedient. Es gab also nicht einen einzigen Fahrdienstleiter für den gesamten Bahnhofsbereich, sondern mehrere Fahrdienstleiter für die jeweiligen Gruppen des Bahnhofs - eine durchaus verständliche Situation, wenn man bedenkt, dass der Bahnhof pro Tag 70 Züge à 50 Wagen zusammenzustellen und abzufertigen in der Lage war.
Da die eigentlichen Personenverkehrsanlagen in der Betriebsstelle Einsiedlerhof von einigen Stellbezirken recht weit entfernt waren und das mit dem Regelzug anreisende Personal dadurch einen recht langen Weg zurückzulegen gehabt hätte, wurden zwei neue Haltepunkte errichtet: Einsiedlerhof Einfahrbezirk und Einsiedlerhof Ausfahrbezirk. Diese beiden Haltepunkte wurden so eingerichtet, dass nur ein Ab- bzw. Zugang zum bzw. vom Rangierbahnhof aus möglich war. Planmäßige Halte zum Schichtwechsel an diesen Haltepunkten waren inoffiziell, obwohl sie in einigen Kursbüchern und Fahrplänen auftraten. Diese inoffizielle Verfahrensweise der Zughalte zeigt sich auch darin, dass der Bahnsteig des Haltepunkts Einfahrbezirk nur eine Länge von noch nicht einmal 100 Metern aufweist; dies war für die dort haltenden Züge gerade ausreichend.
Beide Haltepunkte lagen dabei (in aufsteigender km-Zählung der Hauptstrecke) nach dem Bahnhof Einsiedlerhof - wenn man mit dem Zug in Richtung Kaiserslautern fuhr. Man hielt also zunächst in Einsiedlerhof, danach in Einsiedlerhof Einfahrbezirk und abschließend in Einsiedlerhof Ausfahrbezirk. Dabei waren die Gleise der Güterbahn, ausgehend vom Rangierbahnhof Einsiedlerhof, ständiger Begleiter des auf der Hauptstrecke in Richtung Kaiserslautern fahrenden Zuges. Heute ist aus dem fahrenden Zug von den beiden Personalbahnsteigen nur noch der aufgegebene Haltepunkt Einsiedlerhof Ausfahrbezirk zu erkennen.
Beide Haltepunkte sind mittlerweile aufgegeben, was u.a. darauf zurückzuführen ist, dass im Rangierbahnhof Einsiedlerhof und dem nahegelegenen ehemaligen AW Kaiserslautern immer weniger Bahnpersonal beschäftigt ist. Mit der Modernisierung der Signaltechnik ist es heute möglich den Bahnhof von der Betriebszentrale Karlsruhe aus fernzusteuern - zur Inbetriebnahme des Bahnhofs in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts undenkbar.