
Zwischen
den Bahnhöfen bzw. Haltepunkten Kindsbach und Vogelweh (in Fahrtrichtung
Kaiserslautern Hbf aus Richtung Homburg (Saar) Hbf kommend) befindet sich die
Betriebsstelle Einsiedlerhof. Heute besitzt die als Bahnhof klassifizierte Anlage
für den Personenverkehr zwei Bahnsteige, an denen planmäßig
Züge des Regionalverkehrs - d.h. S-Bahn-Züge der S-Bahn Rhein-Neckar
und Züge zwischen Kaiserslautern und Kusel - halten. Des Weiteren existieren
umfangreiche Gleisanlagen für den Güterverkehr, welche heute jedoch
nicht mehr in dem Maße genutzt werden, wie es noch vor einigen Jahren
der Fall war. Dennoch ist die Betriebsstelle eine der wenigen abseits der großen
Bahnhöfe an der Strecke Homburg(Saar) Hbf - Ludwigshafen(Rhein) Hbf, an
der planmäßig noch Güterzüge beginnen oder enden. Dies
ist nicht zuletzt auch bedingt durch das in Kaiserslautern angesiedelte Werk
des Autoherstellers Opel, welches Teile per Bahn erhält und Teile per Bahn
versendet. Doch die Betriebsstelle Einsiedlerhof, oder "E-Hof", wie
sie von örtlichen Eisenbahnern umgangssprachlich bezeichnet wird, besitzt
eine interessante Geschichte. So besaß sie bis vor wenigen Jahrzehnten
drei Haltemöglichkeiten, die im Personenverkehr genutzt wurden.

Die Betriebsstelle Einsiedlerhof wurde 1920 als Rangierbahnhof
in Betrieb genommen und ersetzte den alten Rangierbahnhof Kaiserslautern, welcher
fortan nur noch als Abstellanlage für Güter- und Personenwagen genutzt
wurde. Dieser neue Rangierbahnhof lag in der Nähe der damals bereits existierenden
Haltestelle Einsiedlerhof und war zu seiner Zeit einer der modernsten Rangierbahnhöfe
Deutschlands. Für die Anlage des neuen Rangierbahnhofs wurde die zuvor
gerade verlaufende Strecke an die neu errichten Gleisanlagen angepasst und dabei
nach Norden verschoben, da die südliche Grenze des neuen Rangierbahnhofs
durch die Achse der heutigen Bundesstraße B40, d.h. die sog. "Kaiserstraße",
vorgegeben war.
Als Arbeitsrichtung innerhalb des Bahnhofs wurde von Westen nach Osten festgelegt;
diese scheinbar willkürliche Festsetzung ergab sich jedoch aufgrund der
örtlichen Windverhältnisse (überwiegend Westwinde). Dies erforderte,
dass aus Richtung Kaiserslautern kommende Züge, die zur Auflösung
in Einsiedlerhof vorgesehen waren, zunächst über das Hauptgleis am
Bahnhof vorbei geführt werden mussten. Erst danach konnten sie in den Rangierbahnhof
einfahren. Den Bahnhof verlassende Züge konnten diesen nur in Richtung
Osten verlassen; für Züge in Richtung Saargebiet wurde folglich dieselbe
Vorgehensweise notwendig wie bei aus Richtung Kaiserslautern ankommenden Zügen:
Sie mussten den Bahnhof in Richtung Osten verlassen und konnten dann - nach
Umsetzen der Lokomotive(n) - Einsiedlerhof über die Hauptstrecke in Richtung
Homburg (Saar) oder Kusel verlassen. Im Zuge der Erstellung der für die
Rangierarbeiten notwendigen Gleise wurde so die Strecke Homburg (Saar) Hbf -
Ludwigshafen (Rhein) Hbf zwischen Einsiedlerhof und Kaiserslautern Hbf durch
eine zweigleisige Güterzugstrecke ergänzt, die im Bereich des neuen
Rangierbahnhofs jeweils an dessen nördlichen und südlichen Rand verläuft
und der Abwicklung der vorstehend erläuterten Fahrten dient.
Der Rangierbahnhof Einsiedlerhof war in mehrere Abschnitte unterteilt (siehe Skizze
rechts, Grafik entnommen aus Hey: Der Rangierbahnhof Einsiedlerhof. In: Hand
und Maschine 1 Nummer 08 / November (1929), S. 160-163.): Einfahrgruppe, Richtungsgleisgruppe,
Ausfallgleise, Stationsgleisgruppe und Ausfahrgruppe. Für all diese Bereiche
gab es separate Stellbezirke, d.h., die Signale und Weichen in diesem Stellbezirk
wurden von einem eigenen Stellwerk bedient. Es gab also nicht einen einzigen
Fahrdienstleiter für den gesamten Bahnhofsbereich, sondern mehrere Fahrdienstleiter
für die jeweiligen Gruppen des Bahnhofs - eine durchaus verständliche
Situation, wenn man bedenkt, dass der Bahnhof pro Tag 70 Züge à
50 Wagen zusammenzustellen und abzufertigen in der Lage war.
Da die eigentlichen Personenverkehrsanlagen in der Betriebsstelle Einsiedlerhof
von einigen Stellbezirken recht weit entfernt waren und das mit dem Regelzug
anreisende Personal dadurch einen recht langen Weg zurückzulegen gehabt
hätte, wurden zwei neue Haltepunkte errichtet: Einsiedlerhof Einfahrbezirk
und Einsiedlerhof Ausfahrbezirk. Diese beiden Haltepunkte wurden so eingerichtet,
dass nur ein Ab- bzw. Zugang zum bzw. vom Rangierbahnhof aus möglich war.
Planmäßige Halte zum Schichtwechsel an diesen Haltepunkten waren
inoffiziell, obwohl sie in einigen Kursbüchern und Fahrplänen auftraten.
Diese inoffizielle Verfahrensweise der Zughalte zeigt sich auch darin, dass
der Bahnsteig des Haltepunkts Einfahrbezirk nur eine Länge von noch nicht
einmal 100 Metern aufweist; dies war für die dort haltenden Züge gerade
ausreichend.
Beide Haltepunkte lagen dabei (in aufsteigender km-Zählung der Hauptstrecke)
nach dem Bahnhof Einsiedlerhof - wenn man mit dem Zug in Richtung Kaiserslautern
fuhr. Man hielt also zunächst in Einsiedlerhof, danach in Einsiedlerhof
Einfahrbezirk und abschließend in Einsiedlerhof Ausfahrbezirk. Dabei
waren die Gleise der Güterbahn, ausgehend vom Rangierbahnhof Einsiedlerhof,
ständiger Begleiter des auf der Hauptstrecke in Richtung Kaiserslautern
fahrenden Zuges. Heute ist aus dem fahrenden Zug von den beiden Personalbahnsteigen
nur noch der aufgegebene Haltepunkt Einsiedlerhof Ausfahrbezirk zu erkennen.
Beide Haltepunkte sind mittlerweile aufgegeben, was u.a. darauf zurückzuführen
ist, dass im Rangierbahnhof Einsiedlerhof und dem nahegelegenen ehemaligen AW
Kaiserslautern immer weniger Bahnpersonal beschäftigt ist. Mit der Modernisierung
der Signaltechnik ist es heute möglich den Bahnhof von der Betriebszentrale
Karlsruhe aus fernzusteuern - zur Inbetriebnahme des Bahnhofs in den 20er Jahren
des 20. Jahrhunderts undenkbar.